Freitag, 24. November 2023

Japan, Schreiben und das Robertina-Taschenbuch



Das Wichtigste in Kürze: 

Ich bin aus Japan zurück (die winzige Auswahl von Fotos drückt nicht im Entferntesten aus, was mir diese lange ersehnte Reise bedeutet hat), ich schreibe wieder (momentan hauptsächlich an Band 10 der Sumpfloch-Saga, aber das kann sich jederzeit ändern) und das Taschenbuch von Robertina ist erschienen. Wenn ihr es bei Thalia.de bestellt (dieses Beispiel nur, weil es bei mir so gut geklappt hat), erreicht euch das Buch sehr schnell. Bei Amazon werden momentan noch Portokosten verlangt, das wird sich aber ändern, sobald Amazon das Buch selbst auf Lager hat. Ich bin BoD sehr dankbar, dass sie sich so ins Zeug gelegt haben, damit das Buch schnell erhältlich ist. Zu allen drei Punkten will ich noch einzelne Posts machen, aber jetzt seid ihr schon mal im Bilde.

Hier noch mal die Infos zum Buch: „Robertina - Liebe und Schatten im Waldstein-Prinzel“, 404 Seiten, 16,90 EUR.












Freitag, 20. Oktober 2023

Robertina ist da

 


Es ist so weit! Heute ist sie frisch erschienen – Robertinas heitere und magisch-geheimnisvolle Bridgerton-Jane-Austen-Amuylett-Liebesgeschichte, die ihr hoffentlich genauso lieben werdet wie ich. 


Robertina - Liebe und Schatten im Waldstein-Prinzel

https://www.amazon.de/Robertina-Liebe-Schatten-im-Waldstein-Prinzel-ebook/dp/B0CJLSVJ5T


Das Buch ist 470 Seiten lang, kostet momentan noch 3,99 EUR und ist per Kindle Unlimited ausleihbar. Vielen, vielen Dank für eure Geduld und Unterstützung! Ich wünsche euch zauberhafte, glückliche Lesestunden.


Es war überhaupt nicht geplant und ich habe es erst vor einer Stunde bemerkt, aber tatsächlich ist Robertina an einem denkwürdigen Tag erschienen: Genau heute vor sieben Jahren war ich in Frankfurt bei der Buchmesse und habe für Aschenkindel den Kindle-Storyteller-Award verliehen bekommen. Das war so unglaublich, das werde ich nie vergessen.


Es freut mich sehr, dass sich Aschenkindel und Robertina nun diesen besonderen Gedenktag teilen. Es war, wie gesagt, gar nicht beabsichtigt. Eigentlich sollte Robertina schon vor zwei Tagen erscheinen, aber ich war zu langsam mit dem allerletzten Korrekturdurchgang.


Alles, was es sonst noch zu Robertina zu erzählen gibt, erfahrt ihr in späteren Posts. Jetzt feiere ich erst mal den Buchgeburtstag 😊 und hoffe, ich habt Spaß mit der Lektüre.


PS: Das gedruckte Buch braucht noch eine Weile. Es erscheint voraussichtlich Ende November/Anfang Dezember.

Freitag, 29. September 2023

Meer, Robertina und Oktober

 


Die letzten drei Wochen habe ich an diesem wunderschönen Arbeitsplatz verbracht, den ihr auf dem Foto seht: Ich war (und bin noch bis morgen früh) in einem Cottage in Cornwall und kann von meinem Platz aus auf das Meer sehen, das ich nun in allen Varianten (stürmisch, neblig, sonnig, verregnet, abendbunt) genießen durfte. Die Rohfassung von Robertina ist in dieser Zeit fertig geworden, ebenso wie die erste Überarbeitung. Alles spricht dafür, dass ihr das neue Buch aus Amuylett Mitte Oktober lesen könnte. Hier noch ein paar Infos zur Geschichte:

„Robertina – Liebe und Schatten im Waldstein-Prinzel“ spielt ca. 150 Jahre vor der Sumpfloch-Saga in Tolois.

Auf die Idee zu der Geschichte kam ich, als ich in den Zaubermachern das Luxushotel „Waldstein-Prinzel“ erwähnt habe. Ich wollte unbedingt eine Geschichte schreiben, die in diesem Hotel spielt, und habe gleich im Frühling 2021 damit angefangen. Doch obwohl ich den Beginn der Geschichte sehr mochte , habe ich ihn nach wenigen Seiten beiseitegelegt. Ich war nicht bereit für diese Liebesgeschichte.

Das neue Buch ist das erste Buch seit anderthalb Jahren, das ich beenden konnte. Ich weiß, ihr wartet auf andere Projekte, aber ich bin überglücklich, dass mich dieses Buch aus tiefen Schreibzweifeln reißen konnte. Ich liebe die Geschichte sehr.

In der Geschichte kommt Ajach vor. Sie wurde schon von Grindgürtel wiedererweckt und ist ziemlich einsam (Pyrg, der auch schon wiedererweckt wurde, ist nicht die netteste Gesellschaft für ein verzweifeltes Supergespenst). Ajach spielt nur eine kleine Nebenrolle, doch was sie tut – oder auch nicht tut –, ist bedeutsam.

Das Buch wurde wesentlich länger als ursprünglich geplant. Es hat mir große Freude gemacht, in eine Zeit einzutauchen, die den Ereignissen der Sumpfloch-Saga vorausgeht. Es ist eine Zeit des Umbruchs.

Ich habe nach anfänglicher Skepsis eine große Begeisterung für die Bridgerton-Verfilmungen entwickelt. Insbesondere „Queen Charlotte“ mochte ich sehr. Für mich ist Robertinas Geschichte ein Bridgerton-Amuylett-Mix, allerdings ohne explizite Szenen.

Ich freue mich schon sehr darauf, die Geschichte mit euch teilen zu dürfen 💛.


Sonntag, 20. August 2023

Robertina



Wie ich ja schon berichtet habe, schreibe ich seit einem Jahr an mehreren Büchern gleichzeitig. Und seit einem Jahr warte ich darauf, dass eine Geschichte das Rennen macht und endlich fertig wird. Es besteht nun berechtigte Hoffnung, dass ihr Anfang Oktober neuen Lesestoff aus Amuylett bekommt – allerdings hat sich eine ganz andere Geschichte in den Vordergrund gedrängt als ursprünglich erwartet.


Robertinas Geschichte zu schreiben – ein Buch im personalen Erzählstil, ähnlich wie die Sumpfloch-Saga –, hat mir sehr geholfen, meine Schreibkräfte zu bündeln und nicht auf halbem Wege in Zweifeln zu versanden. Wenn es also klappt, dass das Buch bald erscheint (ich danke für gedrückte Daumen), dann könnte es auch mit allen anderen Projekten endlich mal wieder zügig vorangehen.


Der Roman spielt ca. 150 Jahre vor der Sumpfloch-Saga in Tolois – so der momentane Stand, aber das kann sich noch ändern. Ebenfalls noch ändern können sich Titel und Klappentext, doch hier bekommt ihr schon mal einen Einblick in die gegenwärtige Fassung.



Robertina - Liebe und Schatten im Waldstein-Prinzel, Klappentext:


„Sie dort“, erklärte Skalpie mit Grabesstimme und zeigte auf Robertina. „Ich will sie kaufen.“


Robertina ist außergewöhnlich schön (das meint zumindest Onkel Hörbert) und die Männer im Hotel Waldstein-Prinzel sind steinreich. Was läge also näher, als in dem berühmten Hotel abzusteigen und dort auf Junggesellenjagd zu gehen?


Onkel Hörbert glaubt an den perfekten Plan, doch in der größten Stadt der Welt trifft die Familie von Sturmblatt-Floheim schnell auf die Widrigkeiten einer unperfekten Wirklichkeit. Die Uhr tickt, das Geld schwindet und mit einem Mal erscheint der Wunsch eines gewissen Herrn Skalpie, Robertina für eine Million Goldflöhe zu kaufen, gar nicht mehr so verwerflich.


Es lockt ein Vertrag, der Robertinas Ehre, doch nicht ihr Glück beschützt. Nur einen Monat lang soll sie dem mysteriösen Ernest Skalpie für seine Arbeit zur Verfügung stehen. Doch die Gefühle, Schatten und Rätsel, die dieser Handel mit sich bringt, könnten vernichtend sein …

 

Freitag, 30. Juni 2023

Das verlorene letzte Morgenweltkapitel


Neulich hat jemand einen sieben Jahre alten Post auf Instagram von mir ausgegraben, in dem ich erzählt habe, dass ich das ursprünglich letzte Kapitel von Band 7.2 gelöscht habe, weil meine Schwester meinte, es sei überflüssig. Sie hatte absolut recht damit, da das aktuelle letzte Kapitel den perfekten Schluss für den Doppelband 7 bildet.

Nun wurde ich gebeten, dieses letzte Kapitel herauszurücken, da es vom erwachenden Fühler handelt und dringend Bedarf an Fühler-Content bestehe 😄. Ich musste erst mal danach suchen, konnte das Kapitel aber schließlich bergen und fand es dann durchaus interessant. Es ist nur kurz und nicht weiter wichtig, aber für alle, die es lesen möchten: Hier ist es!



Kapitel 37: Der Patient


Halfter betrat das Krankenzimmer ohne rücksichtsvolle Ruhe.


„Das ist er?“, fragte er laut.


„Sie sollten Ihre Stimme dämpfen“, sagte der Direktor, „ich mache Fortschritte, aber eine unabdingbare Voraussetzung für seine Genesung ist Ruhe!“


Frost, der auf der anderen Seite des Bettes stand, nickte und warf Halfter einen beschwörenden Blick zu. Halfter gab nach. Er hörte nur auf sehr wenige Menschen, eigentlich auf so gut wie gar keinen, aber er hörte auf Frost.


„Wann wacht er auf?“, fragte Halfter, leiser als zuvor.


„Dass er reagiert, ist schon ein Wunder“, erwiderte der Direktor.


„Das war keine Antwort auf meine Frage!“, murrte Halfter.


Der Direktor blickte Halfter verärgert an.


„Ich bitte Sie, von weiteren Besuchen dieser Art abzusehen, falls Sie Wert darauf legen, dass der Patient zu uns zurückkehrt. Sie verbreiten hier eine Stimmung, die unserem Ziel schadet!“


„So bin ich nun mal“, sagte Halfter. „Ein unbequemer alter Mann.“


Der unbequeme alte Mann trat näher an das Bett heran und betrachtete den Patienten, dessen Augen mit den langen Wimpern geschlossen waren. Er hatte sie seit anderthalb Jahren nicht mehr geöffnet.


„Es stimmt, was man so sagt“, stellte Halfter fest. „Der Junge ist hübsch. Eine wahre Schönheit! Verstehe, dass Repuls ihm verfallen ist.“


„Er ist sensibel“, erklärte der Direktor. „Er wird Ihnen nicht von Nutzen sein, wenn Sie ihm nicht mit Verständnis und Sanftmut begegnen.“


„Höre ich da Besorgnis heraus?“, fragte Halfter. „Hat sich das kalte Herz des Arztes für die zarte Seele seines Schützlings erwärmt?“


„So heilt man. Ich weiß jetzt wieder, warum ich es eines Tages nicht mehr geschafft habe.“


Halfter interessierte es nicht, warum der Direktor vom gefeierten Arzt zum Verbrecher abgestiegen war. Warum er alle diese Dinge getan hatte, für die man ihn zu Recht ins Gefängnis gesteckt hatte. Doch Frost interessierte es. Er wollte wissen, wie der Arzt selbst zum Irren geworden war, ausgestattet mit einem so kalten, rationalen Verstand, dass es niemandem hatte gelingen können, ihn von sich selbst zu heilen.


„Ja?“, fragte Frost. „Was wissen Sie jetzt wieder, Direktor?“


„Wie weh es tut“, antwortete der Direktor. „Ich leide mit diesem Jungen hier, ich gehe seinen Weg, ich fühle, was er fühlt – und das bedeutet bei einem Fühler etwas ganz anderes als bei einem gewöhnlichen Menschen. Er fühlt sich an wie tausend Patienten. Ich habe mich damals in meiner Arbeit verloren und es nicht mehr ausgehalten. Dieser Fall hier bringt mich abermals an den Rand meiner Kräfte.“


„Sie haben die Wahl“, sagte Halfter. „Sie können jederzeit aussteigen.“


Der Direktor beugte sich über seinen Patienten. Er schien zu horchen, er vernahm etwas. Und obwohl Halfter ein Mann war, den so leicht nichts mehr erschrecken konnte, erschrak er doch, als der Fühler plötzlich seine Augen öffnete.


„Sie sind in Sicherheit“, erklärte der Direktor dem Patienten mit einer beruhigenden, geradezu hypnotischen Stimme. „Ich werde Ihnen helfen. Sie werden in Ihr Leben zurückfinden.“


Mit offenen Augen war der Fühler noch hübscher. Aber sie hatten den Mann nicht aufgeweckt, um sich an seinem Anblick zu erfreuen. Halfter brauchte seine Gabe. Und da Halfter kein Dummkopf war und wusste, wann er seinen eigenen Zielen im Weg stand, machte er Frost ein Zeichen, ihm zu folgen und den Patienten der Fürsorge seines Heilers zu überantworten.


„Weißt du, Frost, warum ich jedem anderen Möchtegern-Monster überlegen bin?“, fragte Halfter, als sie das Zimmer verlassen hatten und die Gänge des Sanatoriums durchschritten. „Warum mir Pelohel, Desiderat und Weißer Stern niemals das Wasser reichen können?“


„Ja, Halfter, das weiß ich. Je älter du wirst, desto häufiger wiederholst du dich.“


„Schade, ich hätte es dir so gerne noch einmal erzählt.“


„Nur zu!“, sagte Frost. „Ich werde so tun, als wäre mir die Erkenntnis ganz neu.“


„Der Grund dafür ist“, begann Halfter und dann legte er eine künstliche Pause ein, um die Spannung zu erhöhen, obwohl er wusste, dass diese Spannung ohnehin nicht existierte, „dass man mich mögen kann.“


Frost lachte.


„Ja, das kann man“, sagte er. „Aber man sollte es besser nicht tun. Bei Gott – man sollte es nicht!“


Sie verließen das austrische Sanatorium durch den Hintereingang und traten hinaus in den glitzernden Schnee. Über Nacht war der Winter gekommen. Die Kälte begann. 




Mittwoch, 21. Juni 2023

Ein Gangwolfproblem

 


Zur Feier des Sommeranfangs gibt es mal wieder einen Ausschnitt aus dem zehnten Sumpfloch-Saga-Band - ihr findet ihn am Ende dieses Posts. Zu der Frage, ob ich mit dem Buch vorankomme (die wird mir gerade häufiger gestellt), kann ich nur sagen: „Ja, aber so langsam wie eine Schildkröte.“ 


Ich arbeite außerdem parallel an einem Buch, das nicht in Amuylett spielt. Es handelt von Zügen, bunten Kuchen und einem unheimlichen Kaninchen. Ich wollte schon immer mal ein Buch schreiben, das ein wenig an „Lost“ erinnert (vielleicht kennt jemand von euch diese geniale Serie), aber ich glaube, der Text bewegt sich gerade etwas von dieser Idee weg 😅. 


Mein drittes Arbeitsprojekt ist die Neuauflage von Rabenschwärze. Wie kein anderes Buch versetzt mich Elsas Geschichte an entrückte Orte meiner persönlichen Vergangenheit, als ich allein und von großen Dingen träumend durch die Welt spaziert bin und mein eigenes Leben wie einen Film betrachtet habe. Ich bin immer wieder verzaubert und erschüttert von dieser Geschichte, weswegen sie unbedingt eine Form erhalten soll, mit der ich vollauf zufrieden bin. Auch wenn mir diese Arbeit manchmal uferlos und nicht ganz vernünftig vorkommt 😄.


In diesem Sinne wünsche ich euch unbeschwerte Sommertage, die ihr verrückt, hingebungsvoll oder planlos dahintreibend verbringt und an denen ihr, ohne es zu merken, Erinnerungen für die Ewigkeit strickt 💛.



„Ein Gangwolfproblem“ (Ausschnitt aus dem zehnten Band der Sumpfloch-Saga)


Gerald blickte über das Gebirge aus Bücherstapeln und Papierbergen, das fast sein ganzes Arbeitszimmer einnahm, und fragte sich, ob das mit dem Studium an der Mystoflia-Universität eine gute Idee gewesen war. Was er hier an Wissen zusammengetragen hatte, musste sich in dreißig Tagen abrufbar in seinem Kopf befinden und er hegte berechtigte Zweifel daran, dass die Verwandlung von Buchstaben in Wissen in diesem kurzen Zeitraum gelingen konnte.


‚Das ist so typisch‘, vernahm er die Stimme seines unerträglichen besten Freundes in seinen Gedanken. ‚Warum fängst du nicht einfach an?‘


„Weil ich keine Lust habe?“, erwiderte Gerald mit lauter Stimme. „Es ist Sommer! Da draußen leuchtet eine riesengroße Welt, die wir mühsam gerettet haben, und ich soll hier sitzen und meine Zeit vergeuden. Ich schmeiße es hin. Ich breche ab. Wenn es nicht so blamabel wäre, hätte ich es längst getan.“


Gerald spürte das Unheil kommen. Die vertrackte Verbindung, die zwischen ihm und Hanns bestand, ging so weit, dass er körperlich wahrnehmen konnte, wenn sich der Herrscher von Fortinbrack näherte. Und das tat er – so schnell, dass sich Gerald am liebsten unter dem Schreibtisch verkrochen hätte, um ihm zu entgehen. Warum war der Kerl überhaupt schon wach? Es war erst kurz nach fünf Uhr, die Vögel sangen draußen nach Leibeskräften und der Himmel war gerade mal blassrosa.


„Wir hatten das schon mal!“, rief Hanns, kaum dass er die Tür des Arbeitszimmers aufgerissen hatte und in Geralds melancholischen, frühmorgendlichen Frieden hineingeplatzt war. „Es war dein Traum, an dieser Universität zu studieren. Schon immer. Aber jedes Mal, wenn es ein bisschen Geduld und Durchhaltevermögen braucht, um ein paar lächerliche Aufgaben zu lösen, willst du losrennen und Abenteuer bestehen. Du wolltest nie wie dein Vater werden, der ständig abgehauen ist, weil es ihm ganz schnell zu mühsam oder zu langweilig wurde, aber anscheinend bist du zu feige, um deinen inneren Kampf mit allen Waffen auszufechten.“


„Mit allen Waffen?“, fragte Gerald und legte, um Gelassenheit zu demonstrieren, seine Beine auf den Schreibtisch, mitten auf die Arbeitsliste, die er erstellt hatte. „Das klingt spannend.“


Hanns ließ sich auf das kleine Sofa fallen, das eigentlich nur in der Ecke stand, damit Maria, wenn sie mal zu Hause war, dort sitzen und Gerald vom Lernen ablenken konnte. Der Herrscher von Fortinbrack fuhr sich mit den Fingern durch das blonde Haar, das er seit dem Winter hatte wachsen lassen – wahrscheinlich nur, um es sich regelmäßig mit einer dramatischen Geste aus dem Gesicht pflügen zu können.


„Das ist Quatsch“, kommentierte Hanns Geralds Gedanken. „Ich lasse es wachsen, um mich besser tarnen zu können. Wenn mein Gesicht dahinter verschwindet, muss ich mich kaum noch anstrengen.“


„Ach, komm …“


„Allerdings nervt es ziemlich, dass ich ständig für freie Sicht sorgen muss.“


„Ich könnte dir ein paar Schmetterlingshaarspangen von Maria borgen.“


„Lenk nicht von deinem Problem ab.“


„Ich habe kein Problem.“


„Doch, du hast ein gewaltiges Gangwolfproblem. Aber ich bin nicht dein Viego und darum werde ich nicht tatenlos zusehen, wie du zwischen zwei Lebensentwürfen hin-und hertorkelst, ohne dich für einen davon entscheiden zu können.“

Freitag, 12. Mai 2023

Bunte Säfte

Wer mag, kann hier in den zehnten Sumpfloch-Saga-Band hineinlesen (der noch lange nicht fertig sein wird). Achtung, Spoiler-Gefahr für diejenigen, die noch dabei sind, die ersten neun Bände zu lesen 😌. Und da ich auf Instagram gefragt wurde: Die Geschichte war und ist nach dem neunten Band abgeschlossen. Band 10 ist eine Vertiefung und Fortführung der Geschichte. Eine Erforschung der Zeit, des Seins und der Niemandsländer in uns. Wer dazu Lust hat, kann es lesen, aber man muss es nicht gelesen haben, um die Sumpfloch-Saga zu kennen.



Fotos: Shutterstock.com, Text: Halo Summer


Aus Band 10 der Sumpfloch-Saga, Kapitel 2:


„Und?“, fragte Lisandra, als sie Etterané kommen sah. „Was hat dir unser geschätzter Lord von und zu Besserwisser geraten? Bestimmt hast du ihn nur anspiegelfoniert, um seine vortreffliche Visage bewundern zu können. Und nun bereust du es, weil es nämlich gefährlich ist, das Interesse des Herrn von Fortinbrack zu erregen.“


Etterané überging die Provokation. Ja, sie hatte ein Schwäche für diese spezielle, nicht ganz einfache Visage, aber die gehörte ihr nun mal nicht.


„Lass mich raten!“, fuhr Lisandra fort. „Er kommt her, um die Sache persönlich in die Hand zu nehmen. Weil er nämlich die ganze Zeit auf einen dummen Zufall wie diesen gewartet hat. Er wird dem guten Amadeus Meister das vorlaute Maul mit einem Hefter der eigenen Adamastserie zutackern und ihm sein Satyrproblem wegnehmen, nur damit wir es danach an der Backe haben.“


Etterané lehnte sich an eine der beiden noch stehenden Säulen und gab Lisandras Hängematte per Magikalie einen Stoß, sodass sie heftig hin- und herschaukelte.


„Wenn du so gut darin bist, deine eigenen Fragen zu beantworten“, sagte sie, „warum stellst du sie dann überhaupt?“


„Ach, es hilft mir beim Denken“, meinte Lisandra. „Aber ist das nicht typisch? Ich komme nach Hornfall, um mich zu erholen und endlich mal abzuschalten – und dann heftet sich ein noch größerer Ärger an meine Fersen.“


„Meine Liebe“, erwiderte Etterané, „ich sitze auf einem Thron, um den weit mehr brutale und skrupellose Verwandte herumschleichen, als meine Albträume fassen können. Hier erholt man sich nicht und hier schaltet man auch nicht ab. An diesem Ort muss man täglich mit dem Schlimmsten rechnen.“


„Du vielleicht. Ich trinke bunte Säfte und stopfe in mich rein, was eure komische Dschungelküche so hergibt.“


Bumm. Man sollte eine mächtige Zauberin und Königin nicht in einem Moment, in dem ihre Nerven auf das Höchste angespannt sind, ärgern. Lisandra konnte gar nicht so schnell reagieren, wie Etterané die Seile ihrer Hängematte in glühenden Staub verwandelte. Mit einem dumpfen Schlag landete das fünfte Erdenkind auf der harten Erde. Frittierte Früchte flogen ihr um die Ohren, ein buntes Saftgetränk ergoss sich über ihr sommersprossiges Gesicht. Doch Lisandra lachte nur. Sie lag auf dem Rücken, strampelte dramatisch mit den Beinen und schien bester Laune zu sein.