Zur Feier des Sommeranfangs gibt es mal wieder einen Ausschnitt aus dem zehnten Sumpfloch-Saga-Band - ihr findet ihn am Ende dieses Posts. Zu der Frage, ob ich mit dem Buch vorankomme (die wird mir gerade häufiger gestellt), kann ich nur sagen: „Ja, aber so langsam wie eine Schildkröte.“
Ich arbeite außerdem parallel an einem Buch, das nicht in Amuylett spielt. Es handelt von Zügen, bunten Kuchen und einem unheimlichen Kaninchen. Ich wollte schon immer mal ein Buch schreiben, das ein wenig an „Lost“ erinnert (vielleicht kennt jemand von euch diese geniale Serie), aber ich glaube, der Text bewegt sich gerade etwas von dieser Idee weg 😅.
Mein drittes Arbeitsprojekt ist die Neuauflage von Rabenschwärze. Wie kein anderes Buch versetzt mich Elsas Geschichte an entrückte Orte meiner persönlichen Vergangenheit, als ich allein und von großen Dingen träumend durch die Welt spaziert bin und mein eigenes Leben wie einen Film betrachtet habe. Ich bin immer wieder verzaubert und erschüttert von dieser Geschichte, weswegen sie unbedingt eine Form erhalten soll, mit der ich vollauf zufrieden bin. Auch wenn mir diese Arbeit manchmal uferlos und nicht ganz vernünftig vorkommt 😄.
In diesem Sinne wünsche ich euch unbeschwerte Sommertage, die ihr verrückt, hingebungsvoll oder planlos dahintreibend verbringt und an denen ihr, ohne es zu merken, Erinnerungen für die Ewigkeit strickt 💛.
„Ein Gangwolfproblem“ (Ausschnitt aus dem zehnten Band der Sumpfloch-Saga)
Gerald blickte über das Gebirge aus Bücherstapeln und Papierbergen, das fast sein ganzes Arbeitszimmer einnahm, und fragte sich, ob das mit dem Studium an der Mystoflia-Universität eine gute Idee gewesen war. Was er hier an Wissen zusammengetragen hatte, musste sich in dreißig Tagen abrufbar in seinem Kopf befinden und er hegte berechtigte Zweifel daran, dass die Verwandlung von Buchstaben in Wissen in diesem kurzen Zeitraum gelingen konnte.
‚Das ist so typisch‘, vernahm er die Stimme seines unerträglichen besten Freundes in seinen Gedanken. ‚Warum fängst du nicht einfach an?‘
„Weil ich keine Lust habe?“, erwiderte Gerald mit lauter Stimme. „Es ist Sommer! Da draußen leuchtet eine riesengroße Welt, die wir mühsam gerettet haben, und ich soll hier sitzen und meine Zeit vergeuden. Ich schmeiße es hin. Ich breche ab. Wenn es nicht so blamabel wäre, hätte ich es längst getan.“
Gerald spürte das Unheil kommen. Die vertrackte Verbindung, die zwischen ihm und Hanns bestand, ging so weit, dass er körperlich wahrnehmen konnte, wenn sich der Herrscher von Fortinbrack näherte. Und das tat er – so schnell, dass sich Gerald am liebsten unter dem Schreibtisch verkrochen hätte, um ihm zu entgehen. Warum war der Kerl überhaupt schon wach? Es war erst kurz nach fünf Uhr, die Vögel sangen draußen nach Leibeskräften und der Himmel war gerade mal blassrosa.
„Wir hatten das schon mal!“, rief Hanns, kaum dass er die Tür des Arbeitszimmers aufgerissen hatte und in Geralds melancholischen, frühmorgendlichen Frieden hineingeplatzt war. „Es war dein Traum, an dieser Universität zu studieren. Schon immer. Aber jedes Mal, wenn es ein bisschen Geduld und Durchhaltevermögen braucht, um ein paar lächerliche Aufgaben zu lösen, willst du losrennen und Abenteuer bestehen. Du wolltest nie wie dein Vater werden, der ständig abgehauen ist, weil es ihm ganz schnell zu mühsam oder zu langweilig wurde, aber anscheinend bist du zu feige, um deinen inneren Kampf mit allen Waffen auszufechten.“
„Mit allen Waffen?“, fragte Gerald und legte, um Gelassenheit zu demonstrieren, seine Beine auf den Schreibtisch, mitten auf die Arbeitsliste, die er erstellt hatte. „Das klingt spannend.“
Hanns ließ sich auf das kleine Sofa fallen, das eigentlich nur in der Ecke stand, damit Maria, wenn sie mal zu Hause war, dort sitzen und Gerald vom Lernen ablenken konnte. Der Herrscher von Fortinbrack fuhr sich mit den Fingern durch das blonde Haar, das er seit dem Winter hatte wachsen lassen – wahrscheinlich nur, um es sich regelmäßig mit einer dramatischen Geste aus dem Gesicht pflügen zu können.
„Das ist Quatsch“, kommentierte Hanns Geralds Gedanken. „Ich lasse es wachsen, um mich besser tarnen zu können. Wenn mein Gesicht dahinter verschwindet, muss ich mich kaum noch anstrengen.“
„Ach, komm …“
„Allerdings nervt es ziemlich, dass ich ständig für freie Sicht sorgen muss.“
„Ich könnte dir ein paar Schmetterlingshaarspangen von Maria borgen.“
„Lenk nicht von deinem Problem ab.“
„Ich habe kein Problem.“
„Doch, du hast ein gewaltiges Gangwolfproblem. Aber ich bin nicht dein Viego und darum werde ich nicht tatenlos zusehen, wie du zwischen zwei Lebensentwürfen hin-und hertorkelst, ohne dich für einen davon entscheiden zu können.“









