Montag, 7. Dezember 2015

Über das Fliehen und das Fliegen


Wenn ich nicht weiterweiß – in meinem Leben oder in einer Geschichte – dann steige ich in so einen Ballon. Ich überlasse die Schwere der Erde, fliege los und gebe das Kommando ab an meine Träume. Sie tragen mich an den richtigen Ort, dahin, wo meine Ideen erwachen und meine neuen Wege beginnen.

Man muss fliegen können, um die Welt so zu sehen, wie sie ist oder wie sie sein sollte. Wenn wir Geschichten lesen, die unsere Sinne fesseln, begeben wir uns auf einen solchen Flug: Wir sehen unser Leben neu, wir erfahren es neu und dadurch kann es sich verändern. Vorausgesetzt, wir bleiben neugierig und hoffnungsvoll.

Während meines Studiums wurde der Fantasy-Literatur gerne der Stempel „Eskapismus“ aufgedrückt: Man fliehe darin vor der Wirklichkeit, verstecke sich in einer Scheinwelt und kapituliere vor den Anforderungen des Alltags. Das mag auf solche Träumer zutreffen, die den Rückweg scheuen und nicht bereit sind, den Ort zu studieren, an dem sie stehen, während sie träumen. Aber wie viele der sogenannten Realisten bringen nicht mal einen Hinweg zustande? Sie verkümmern im Korsett ihrer Ich-weiß-wie-das-Leben-ist-Einstellung, weil sie das Fliegen nicht wagen.

Als Eskapistin aus Überzeugung sage ich euch: Fliegt, flieht und hört nie auf zu suchen. Dabei geht es nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder auf die Erfüllung aller Träume hinzufiebern, sondern darum, während man sucht, das Leben zu finden. Flieht, um in Bewegung zu bleiben und nicht zu erstarren. Träumt, um wach zu bleiben! Wer nicht flieht, flieht vor dem Glück. 

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